Wem nützen Optionstarife?

Auf den ersten Blick sieht es so aus, als überwiege der Vorteil für den Versicherten, durch Konservierung seines Gesundheitszustands über einen längeren Zeitraum und die Festschreibung der Wechselbedingungen.
Schaut man sich aber das Ganze mal aus der Sicht des Versicherers an, so stellt man aber recht schnell fest, dass der erste Eindruck täuscht, denn der Versicherer gewinnt durch Optionstarife.

1.neue, junge und gesunde Kunden, die bereits Jahre, bevor sie tatsächlich dann aus der GKV ausscheiden Beitrag bezahlen, für das Anrecht sich zu versichern.
2.Er beschränkt die Option auf Einstieg, bzw. Wechsel durch enge Zeitfenster und hält für sich selbst das Risiko einen evt. kranken Kunden versichern zu müssen gering.
3.Er erreicht durch den Optionstarif eine Kundenbindung und wird nach Ablauf der Option normalerweise einen Vertrag abschließen können, entweder im Vollkostenbereich oder im Bereich der Ergänzungsversicherung. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der „Options-Kunde“ bei einem Mitbewerber abschließt, bei dem er auf jeden Fall eine erneute Gesundheitsprüfung vornehmen lassen muss.

Im Hinblick darauf liegt der Vorteil eindeutig auf Seiten des Versicherers. Auch wenn die Versicherer und deren Vermittler gerne Optionstarife verkaufen und ihre Kunden sie auch gerne abschließen, so handelt es sich im Bereich der Ergänzungsversicherung doch eher um Lockangebote, da sie aufgrund nicht zu bildender Alterungsrückstellungen erheblich preiswerter erscheinen, doch nicht dem eigentlichen Wesen der Privaten Krankenversicherung entsprechen.

Wer sich mit dem Gedanken trägt einen Optionstarif abzuschließen, der sollte sich genau über das Unternehmen informieren und in jedem Fall hinterfragen, wie das Tarifwerk insgesamt im Wettbewerb zu anderen Versicherern steht, die keine Optionstarife anbieten.

Wozu gibt es Optionstarife?

Um diese interessante Frage zu beantworten, muss man erst einmal in Erfahrung bringen, was ein Optionstarif eigentlich ist. Prinzipiell gibt es zwei Arten von so genannten Optionstarifen:

1.den Optionstarif im Rahmen einer Zusatzversicherung für GKV-Mitglieder und
2.die Option innerhalb der privaten Vollversicherung in einen Tarif mit höherem Leistungsumfang zu wechseln.

Die erste Variante des Optionstarifs richtet sich an Mitglieder der Gesetzlichen Krankenversicherung und deren Angehörige mit Anspruch auf Familienversicherung, die in nicht allzu ferner Zukunft in die Private Krankenversicherung wechseln wollen und aus der Versicherungspflicht ausscheiden. Maßgebend ist dabei, dass sie die Voraussetzungen für die Aufnahme in der PKV erfüllen.

Durch Abschluss eines Optionstarifs wird bereits im Vorfeld der Gesundheitszustands den zu Versichernden bewertet und bleibt während der Dauer des Optionstarifs erhalten, wobei innerhalb eines bestimmten Zeitfensters die Option auf Wechsel in einen Vollkostentarif ausgeübt werden muss, andernfalls der Wechsel in einen Ergänzungstarif möglich ist. Der Wechsel erfolgt dann ohne nochmalige Gesundheitsprüfung. Der Beitrag für den gesamten Optionstarif im Rahmen der Zusatzversicherung ist in der Regel preiswerter als der „Normaltarif“, da keine Alterungsrückstellungen gebildet werden.

Bei der zweiten Variante kann der Versicherungskunde ohne erneute Gesundheitsprüfung und innerhalb des bereits angesprochenen Zeitfensters in einen leistungsfähigeren Tarif wechseln. Die Wechselmöglichkeit in einen besseren Tarif hat man immer, allerdings kann der Versicherer eine neue Risikoprüfung verlangen und gegebenenfalls dem Wechsel nur gegen einen Risikozuschlag zustimmen. Diese Art von Option findet man bei den Einsteigertarifen der PKV. Sie sind preiswert und im Leistungsumfang etwas oberhalb der Kassenleistung angesiedelt.

Bei beiden Varianten ist die Option auf Wechsel nicht anderes als eine (kleine) Anwartschaftsversicherung. Der Vorteil für den Versicherungskunden ist eine Konservierung seines Gesundheitszustands über mehrere Jahre und damit auch eine Festschreibung der Bedingungen, zu denen ein Wechsel erfolgt.

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