Krankentagegeld bei Selbstständigen und Freiberuflern

Gegen Einkommensverluste durch Arbeitsunfähigkeit kann man sich grundsätzlich in der Krankenversicherung absichern. Die Höhe der so genannten Krankentagegeldversicherung beläuft sich auf hundert Prozent des Nettoeinkommens zuzüglich weiterer € 15,00 pro Tag für den Rentenversicherungsbeitrag. Das ist die Regelung bei Arbeitnehmern.

Für Selbständige und Freiberufler gilt das analog, wobei häufig kein Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung anfällt, dafür aber der Krankenversicherungsbeitrag zu bezahlen ist. Die Schwierigkeit ist bei Selbständigen und Freiberuflern die Höhe des Nettoeinkommens zu ermitteln. Nettoeinkommen definiert sich als Gewinn minus Steuern und Vorsorgeaufwendungen. Netto ist also das, was nach Abzug der betrieblichen Ausgaben und Steuern unterm Strich übrig bleibt.

Hat man einen guten Steuerberater, so ist dessen Ziel, dass zu versteuernde Einkommen möglichst gering zu halten, um so wenig wie möglich an den Fiskus abführen zu müssen. Häufig handelt es sich dabei um rein buchhalterische Werte, die aber nicht der realen Höhe der Nettoeinkünfte entsprechen. Hier entsteht nun das Problem, wenn das reale Nettoeinkommen und das, dass sich anhand von Steuererklärung, BWA oder Steuerbescheid nachweisen lässt nicht identisch ist.

Sollte der Leistungsfall eintreten, so hat der Versicherer das Recht die Höhe des Tagegeldes zu überprüfen, in wie weit die abgesicherte Höhe dem tatsächlichen Nettoeinkommen entspricht. Ergeben sich hier Differenzen, so dass das tatsächliche Nettoeinkommen geringer ist als die Höhe des versicherten Tagegeldes kann der Versicherer sofort entsprechende Kürzungen bei der Auszahlung vornehmen. Außerdem wird innerhalb von zwei Monaten der versicherte Tagessatz auf das reale Nettoeinkommen reduziert.

Es ergeben sich nun folgende zwei Nachteile für den Selbständigen, bzw. Freiberufler:

1.Seit Antragsstellung wurde ein höherer Beitrag, aufgrund des falschen, zu hohen Tagessatzes bezahlt, den der Versicherer nicht zurückerstattet.
2.Das buchhalterische Nettoeinkommen ist geringer als das reale und dadurch entstehen Einkommensverluste, die sich in manchen Fällen, vor allem bei anhaltender Arbeitsunfähigkeit als existenzbedrohend erweisen können.

Existenzgründer und Krankentagegeld

Auch Existenzgründer können sich gegen drohende Einkommensverluste durch Arbeitsunfähigkeit absichern. Doch sind die Voraussetzungen hier noch etwas schwieriger als bei Selbständigen und Freiberuflern, die bereits seit Jahren erfolgreich tätig sind.
Grundsätzlich gilt, dass man das Nettoeinkommen durch ein Krankentagegeld absichern kann. Bei Neugründungen ergibt sich das Problem, dass das Nettoeinkommen der ersten Jahre oft nur geschätzt werden kann.

Die Versicherer ihrerseits sehen in ihren Aufnahmerichtlinien für die Höhe des Krankentagegelds bei Existenzgründern eine Begrenzung vor.

Der Grund ist, dass es sich um ein schwer einzuschätzendes subjektives Risiko handelt. Der Versicherer versucht Beitragsausfälle weitest gehend zu vermeiden. Daher nimmt er neben der Prüfung des objektiven, also des medizinischen Risikos auch eine Prüfung des beruflichen Umfeldes des zu Versichernden vor. Die Ausfälle bei Existenzgründungen sind hoch und betragen lt. Statistik 30% in den ersten drei Jahren.

Was bedeutet das nun für den Existenzgründer, der bei seinem PKV-Anbieter ein Krankentagegeld versichern möchte?

unächst einmal ist es wichtig das voraussichtliche Nettoeinkommen zu ermitteln, dass sich durchaus anhand des Buisnessplans bestimmen lassen kann. Im Anschluss sollte beim Versicherer ein Antrag gestellt werden, auch wenn der benötigte Tagessatz auf das Maximum für Existenzgründer reduziert wird.
Da Arbeitsunfähigkeit nicht nur durch Krankheit entstehen kann, sondern darüber hinaus auch durch Unfall empfiehlt es sich bei seiner Unfallversicherung ebenfalls eine Unfallkrankentagegeld in den Leistungsumfang einzuschließen.

Grundsätzlich wird ein Versicherer bei Antragsstellung fragen, ob weitere Tagegelder bestehen und man muss über Höhe und Unternehmen Angaben machen. Interessant ist allerdings, dass nahezu ausschließlich nach Tagegelder bei Krankenversicherung und Krankenkasse gefragt wird, so dass man keinerlei Angaben zu Unfallversicherung und Unfallkrankentagegeld machen muss.